Julius Deutschbauer

Der Bibliothekar

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Der Bibliothekar

Der Bibliothekar

Press release

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Die Galerie Thaddaeus Ropac freut sich die Eröffnungen von zwei Ausstellungen des österreichischen Künstlers Julius Deutschbauer bekannt zu geben. Das Zentrum der Arbeit Deutschbauers bilden, die in den letzten 15 Jahren entstandenen, über 100 Plakate. Im „Annex" präsentiert der Künstler Überarbeitungen dieser Werke. In den „Editionen" zeigt der Künstler unter anderem eine Bronzeskulptur, den Bibliothekar. Am 24. Mai 2008 findet um 19 Uhr eine Performance mit dem Künstler statt.

In der Ausstellung „Nur 100 Plakate" im Museum für Angewandte Kunst Wien (noch bis 17. August), präsentiert Julius Deutschbauer sein Plakatschaffen der letzten 15 Jahre. Dieses Werk, das zum Teil gemeinsam mit dem Künstler Gerhard Spring entstanden ist, reflektiert mit scharfer Ironie und intelligentem Witz einerseits die kulturpolitische Landschaft Österreichs, andererseits jene Polens oder Deutschlands. Deutschbauer geht in seiner Ausstellung „Plakatabrechnung / Der Bibliothekar" einen Schritt weiter, indem er diese 100 Plakate zum Untergrund degradiert und als Malmittel einsetzt. Er nicht nur auf diesen Plakaten, sondern mit Ihnen malt. Er kleistert, tapeziert, gießt in Wachs und krönt eine Plakatsäule mit einer Topfpflanze. Julius Deutschbauer hasst Topfpflanzen, Urlaubsreisen, Möbel und gießt sich gleich selbst zum Möbel.

Es wirkt wie aus tausendundkeiner Nacht. Als wäre der Gegenstand des Plakats - wie immer Julius Deutschbauer selbst - gar nicht mehr unter uns. Da steht der Bibliothekar der Bibliothek ungelesener Bücher wie bei der Gründung der Bibliothek vor 11 Jahren vor seinen Büchern. Aber er scheint zur Bronze erstarrt und ist Teil des Mobiliars geworden: ein Diwan, drei verdammte Fauteuils, ein kniehoher Tisch, und er selbst drängen sich zwischen Bücherregal und Fenster. Das Fenster nach Nordwesten. Schon einmal verbürgte er als Bücherstütze diese Seligkeit der bloßen Zurschaustellung. In den Editionen, die nun für Salzburg entstanden sind, fügt er dem Ganzen noch ein Tick hinzu, seinen Tick. Die ellenhohe Bronze „Der Bibliothekar" tickt nicht ganz recht. Sie wippt, sie wippt nicht, sie wippt. Wippt sie?

Julius Deutschbauer, geboren 1961 in Klagenfurt, lebt in Wien. 2000-2007 Zusammenarbeit mit Gerhard Spring als Duo „Deutschbauer / Spring". Ausstellungen (u. a. Kunsthalle Wien, Shedhalle Zürich, Galeria Zacheta Warschau), Performances und Theateraufführungen (u. a. Tanzquartier Wien, Thalia Theater, Hamburg, Politik im Freien Theater, Berlin). Seit 1997 betreibt Deutschbauer die Bibliothek ungelesener Bücher. www.bibliothek-ungelesener-buecher.com