Stephan Balkenhol

New Sculptures

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Press release

»Es liegt eine Objektivität in der beharrlichen Identität eines Materials« (Donald Judd).

 

Bereits während seines Studiums bei Ulrich Rückriem an der Hamburger Akademie der Bildenden Künste (1976-82) entschloss sich Stephan Balkenhol (geboren 1957 in Fritzlar/Hessen) figurativ zu arbeiten. Angesichts der konzeptuellen Strenge und des Minimalismus der Werke seines Lehrers sowie der Dominanz abstrakter Tendenzen in der Skulptur der 60er und 70er Jahren war dies nicht selbstverständlich.

 

1982 und 1983 entstanden die ersten farbig gefassten Holzskulpturen, die einen für Balkenhol typischen Stil zeigten, der in den folgenden Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und auf einen langsam wachsenden Themenkanon ausgeweitet wurde: Eine archaische, expressive Behandlung des Materials Holz trifft auf die Darstellung menschlicher, tierischer oder fabelhafter Figuren, die entweder in unprätentiöser Pose verharren oder in alltäglichen - zumindest emotionslos vollzogenen - Interaktionen verwickelt sind.

 

»Ein bisschen fragend sehen sie uns an und doch eigentlich durch uns hindurch. Selten sind es direkte Portraits, immer aber Zeitgesichter, die den Eindruck von Individualität vermitteln« (Veronika Wiegartz).

 

Trotz präziser Abgestimmtheit der Proportionen bleibt dabei das bearbeitete Holz als grobes, gekeiltes, behauenes Material stehen. Die dargestellten Wesen sind entweder überlebens- oder unterlebensgross, nie haben sie natürliches Mass. Durch dieses Mittel der Verfremdung wird ein interessantes Spannungsverhältnis erzeugt: Wirken die Figuren menschlich scheinbar sehr nah, sind sie gleichzeitig räumlich sehr stark distanziert und abgehoben. Hinzu kommt, dass Balkenhols Gestalten keinem speziellen Milieu verhaftet sind und nicht unter gesellschaftlichen Aspekten betrachtet werden wollen. Inhaltlich offen und neutral vermitteln sie keine andere Botschaft ausser derjenigen ihrer eigenen Präsenz. Auf diese Art und Weise bieten sie eine Projektionsfläche für jedermann.

 

Stephan Balkenhols Skulpturen sind zudem das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit der Geschichte einer langen bildhauerischen Tradition. In der Tat finden sich klassische Pathosformeln, die über die Jahrhunderte bestand hatten, in Balkenhols Figuren wieder. Darüber hinaus verweist die Technik der Kolorierung der Skulpturen, ohne zuvor eine Grundierung aufzutragen, auf mittelalterliche Holzfiguren und die zuweilen hieratische Strenge der Figuren auf die Sakralskulptur früherer Epochen.

 

Aber auch die Kunst des 20. Jahrhunderts bietet ein Bezugsfeld für Balkenhols Arbeiten. Zum einen steht Balkenhol in seinem Bestreben, die Skulptur von politischen, religiösen oder allegorischen Implikationen zu befreien, in der Tradition von Bildhauern wie Aristide Maillol, Georg Kolbe und Wilhelm Lehmbruck. Andererseits demonstriert Balkenhol durch seine Verpflichtung auf das Banale und Spielerische eine Affinität zur Pop Art und durch das Insistieren auf Automomie und Selbstreferentialität eine Verwandtschaft zur Minimal Art.

 

»Im Spannungsfeld von Gegenständlichkeit und Abstraktion reaktivieren die Skulpturen von Stephan Balkenhol etwas, das Walter Benjamin als Folge der Moderne und ihrer Medienrevolution schon längst verloren gegeben hatte: die Aura« (Roland Mönig).

 

Stephan Balkenhols Werke, die seit Mitte der 80er Jahre in zahlreichen internationalen Ausstellungen zu sehen waren, befinden sich mittlerweile im Besitz vieler Museen (wie etwa Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, Museum Ludwig Köln, Nationalgalerie Berlin, Kunsthalle Bremen, Hirshhorn Museum Washington, Montreal Museum of Fine Arts, um nur einige zu nennen) und im öffentlichen Raum von Städten wie etwa Bremen, Hamburg, London, etc.